Greizer positionieren sich gegen geplante Gebietsreform

Der Greizer Bürgermeister Gerd Grüner (SPD) hatte am Montagabend zu einer Einwohnerversammlung auf den Containerplatz in Untergrochlitzgeladen.

Hier informierte das Stadtoberhaupt die wenigen Interessierten über die Pläne der Landesregierung zur Gebietsreform und deren Folgen für Greiz. Dabei ging er zunächst auf die nun doch bestätigte Kreisfreiheit von Gera ein. „Ich bin von Anfang an gegen eine Einkreisung Geras gewesen, da dies für das umliegende Land keine positiven Effekte gehabt hätte“, so Grüner. Der nun aber drohende Verlust des Kreissitzes an Altenburg wäre für Greiz ein Genickbruch. Auch Gedankenspiele über eventuelle Kompensationsmaßnahmen, wie es sie für frühere Kreisstädte nach der Gebietsreform 1994 gab, tat Grüner als unrealistisch ab. „Das ganze hat sich mittlerweile so eingespielt. Da kann man jetzt nicht ganz einfach sagen, wir hätten in Greizgern das Finanzamt oder das Landwirtschaftsamt zurück, wenn wir schon den Kreissitz verlieren“, so Grüner. Auch die angekündigten drei Millionen Entschädigung, die die Landesregierung den Städten versprach, die den Kreissitz verlieren sollen, bezeichnete Grüner mehr oder weniger als Tropfen auf den heißen Stein. „Das ist keine Arroganz, aber man kann Greiz nicht mit Schleiz vergleichen. Wir haben hier allein schon ganz andere geografisch bedingte Herausforderungen zu bewältigen.

Im Folgenden ging Grüner auf den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen und Kaufkraft in Greiz ein. Im Landratsamt gibt es laut Grüner derzeit rund 650 in Vollzeit beschäftige Menschen. „Ich gehe davon aus, dass uns das Jobcenter mit seinen rund 150 Stellen erhalten bleibt, aber schmerzen werden die restlichen 500 Stellen, auch wenn es möglich ist, dass einzelne Teile der Verwaltung in Greizverbleiben“, so Grüner. Man könne auch nicht davon ausgehen, dass alle in Greizabgebauten Stellen dann 1:1 nach Altenburg transferiert würden.

Zudem drohe Greiz auch ein massiver Immobilienleerstand. „Ich glaube kaum, dass sich für einen riesigen Komplex wie das Landratsamt ein neuer Interessent finden lässt, und wir als Stadt hätten dann auch keinen Nutzer für das Marstallgebäude mehr“, gab Grüner zu bedenken. Dabei lobte er, dass es der Stadtverwaltung gelungen sei, zahlreiche leerstehende Bauten seit der Wende zu beseitigen.

Der Bürgermeister machte auch keinen Hehl daraus, dass er hinter dem Entscheid pro Altenburg parteipolitische Gedanken vermute. Hintergrund: Die Altenburger Landrätin Michaele Sojka gehört der Linkspartei an und die Greizer Landrätin Martina Schweinsburg der CDU.

Daher warb Grüner auch noch einmal eindringlich für die Unterschriftensammlung der Bürgerinitiative Meine Kreisstadt Greiz, die sie für die Klage des Vereins Selbstverwaltung für Thüringen gegen das Vorschaltgesetz sammelt.

„Ich habe dort natürlich unterschrieben. Aber Fakt ist doch, dass wir als Bürger einfach verschaukelt werden“, klagte ein Mann.

„Wir sind hier am Arsch der Welt und weit weg von Erfurt, deswegen sind wir schon immer verkauft worden“, warf ein anderer Mann ein. Darauf antwortete Grüner: „Wir müssen einfach immer zeigen, wer wir sind und auf uns aufmerksam machen.“ „Wenn es mit der Klage nichts wird, dann müssen wir eben auf die Straße gehen“, gab sich eine Frau zum Abschluss kämpferisch.

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